Berlin, October 2011 - The moment of total access to the body through violence is the moment of practising absolute Power/Force. On the one hand the eating of meat is a symbol of dominion and a metaphor for this total grasp, on the other a life is de facto extinguished. That means Power/Force is used in its most extreme form – to assimilate parts of the animal’s body.

The radical separation between humans and animals, which has been deeply inscribed in the human culture for thousands of years, bears a violence that has never been of such astronomical dimension as it is today.

Hartmut Kiewert´s paintings are an attempt to subvert the blockades of consciousness against the exploitation of animals. The absence and repression of both the miserable life and the dying of animals is countered with the presence of painture, the prensence of flesh-colours.

Opening hours

The exhibition »mensch_tier [human_animal]« will be on view from October 22 to November 12, 2011, in G11 Galerie . Thursday-Saturday 3:00 p.m.-7:00 p.m., Sunday 2:00 p.m.-5:00 p.m.

Salon

An open salon will take place on Saturday, November 5, 2011, in G11 Galery The evening will include talk by Berlin-based art historian Rosemay on “Animals as trophies in art – Dutch still lives versus Damien Hirst” (presentation in German language), followed by a moderated discussion.

Publication

The salon evening presents the second edition »mensch_tier«. The catalogue contains updated essays based on the artist’s diploma work, reproductions of the exhibited paintings and other works. »mensch_tier« will be available in G11 Galery from November 5, 2011, and can also be ordered from the artist via hartmutkiewert@gmx.de.

special information: October 29 – 30: ConferenceAnimals and Asthetics
Universität der Künste Berlin

G11 Galerie, Landsberger Allee 54, 10249 Berlin-Friedrichshain, 3rd floor
Tram: Landsberger Allee/Petersburger Str. (M5, M6, M8, M10)
S-Bahn: Landsberger Allee (S4, S8, S85)

E-Mail: info@g11-galerie-berlin.de
Phone: +49 (0)177-325 6313

www.g11-galerie-berlin.de

Mein Beitrag zum unabhängigen Medienfestival/Sommeratelier GLEICH ZEIT der plattform:[no budget] in der Shedhalle (ehem. Schlachthof) Tübingen [ http://www.plattform-nobudget.de/ ]. Das Sommeratelier läuft 2 Wochen (bis 03.09.2011). Ich werde jeden Tag ein Foto vom Stand meiner Arbeit hochladen.

Das gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhältnis und die Bedeutung von Fleisch

Wissenschaftliche Tagung der Group for Society and Animals Studies (GSA) an der Uni Hamburg, Pre-Conference Event für die Minding Animals Conference 2012, Uetrecht

Foyer an der Uni Hamburg mit meiner Arbeit “Transport” (Öl auf PE-Plane)

Am Freitag, den 01.07.2011 gab es an der Universität Hamburg eine Tagung, bei der das Thema Fleisch essen aus unterschiedlichen soziologischen Perspektiven beleuchtet wurde.

“Innerhalb der derzeitigen öffentlichen Diskussion über die ethischen und ökologischen Konsequenzen des Fleischverzehrs spielen die Mensch-Tier-Beziehung sowie die Problematik der Haltung und Tötung von Tieren für Nahrungszwecke eine zentrale Rolle. Diese Thematiken sind bisher jedoch in der sozialwissenschaftlichen Debatte und Analyse kaum aufgegriffen worden, obwohl gerade die Sozialwissenschaften einen entscheidenden Beitrag zum Verhältnis der Gesellschaft zu den Tieren und zur Bedeutung des Fleischverzehrs in diesem Kontext leisten könnten. Im Rahmen dieser Tagung sollen daher aktuelle, wissenschaftliche Analysen rund um den Fragenkomplex vorgestellt und diskutiert werden.” (Aus dem Ankündigungstext der GSA)

Die einzelnen Beiträge lieferten dann auch sehr interessante Ansätze. Es folgt eine stichpunktartige, kurze Zusammenfassung der Vorträge, bzw. dessen, was ich von den Vorträgen mitgenommen habe.

Nach Begrüßung und Einführung in den Themenkomplex durch Prof. Dr. Birgit Pfau-Effinger und Sonja Buschka analysierte Prof. Dr. Klaus Petrus (Universität Bern) Werbestrategien der Fleischindustrie, namentlich der Firmen frifag und Migros, bei denen bewusst eine Art Re-Subjektivierung oder Re-Individualisierung des “Produktionsmittels”  Huhn betrieben wurde ( http://www.youtube.com/watch?v=o43aTFUn-Ik ). Die oft als Erklärung für gedankenloses Verzehren vormaliger Individuen ins Feld geführte Anonymisierung und Objektivierung durch die vom ganzen Tier abstrahierte Form “Fleisch”, “Steak” etc. scheint also nicht unbedingt notwendige Voraussetzung für den modernen Fleischverzehr zu sein. Allerdings bleibt auch bei dieser Strategie die Individualisierung fragmentarisch, bzw. wird romantisierend verklärt. Bewusst wird z.B. nicht erwähnt, dass das Huhn keineswegs freiwillig seine Eier für den Menschen abgibt ( http://www.youtube.com/watch?v=hbFLnoJ48oI ) – oder in einer antropomorphisierenden Zuschreibung von Liebesbeziehungen unter den Masthühnern, wird verschwiegen, dass diese zu dem Zeitpunkt der Schlachtung noch gar nicht ihre Geschlechtsreife erreicht haben, also im Grunde die Konstruktion von Liebesbeziehungen etwas absurd erscheint ( http://www.frifag.ch/service/medien/tv-spots/ ).

Dr. Matthew Cole (Bristol) und Dr. Kate Steward (Universität Bristol) untersuchten die sozialen Rahmenbedingungen, welche darüber entscheiden, ob Menschen Empathie für bestimmte Tiere haben oder nicht und wie entlang dieser Mechanismen sich  Fleisch essen als normal konstituiert. Dabei stellten sie anhand von konkreten Beispielen aus Hollywood-filmen (Babe, König der Löwen, Bambi), Zeitungsdiskursen über die Essbarkeit von Eichhörnchen u.ä. fest, dass die Kategorisierungen in essbare und nicht-essbare Tiere, bzw. in Tiere die als Subjekte und Tiere, die als Objekte wahrgenommen werden fließend und damit veränderbar sind.

Dr. Karen Morgan (Universität Cardiff)  untersuchte Verdrängungsstrategien: “The wish not to know”: denial, eco-governmentality and the consumption of flesh” – Speziell ging es um eine nur fragmentarischen Aufklärung von Kindern in Bezug auf das Thema “Wo kommt unser Essen her”, was anhand von Computerspielen und Werbung aufgezeigt wurde. ( http://www.youtube.com/watch?v=_smKyihbQ3s )

Nach der Mittagspause mit leckerem veganen Buffet hielt Renate Brucker (Dortmund) einen Vortrag über den carnivoren Bias in den Sozialwissenschaften. Die Standortgebundenheit (der Fleischverzehrenden) und damit einhergehende Blindstellen der meisten Soziolog_innen in Bezug auf die Analyse von Vegetarismus führte und führt dazu, dass  die wichtigste Motivation der meisten Vegetarier_innen, die Sorge um – und das Mitgefühl für Tiere, in soziologischen Analysen meist völlig ausgeblendet wurde und immer noch wird.

Über den Schlachthof als gesellschaftliches Phänomen der Makrogewalt referierte Melanie Bujok (Bochum). Dabei stellte sie fest, dass die soziologische Gewaltforschung die Gewalt gegen Tiere ausblendet und wies dabei auf weitere institutionalisierten Formen von Gewalt (Makrogewalt: Polizei, Militär, Knast) im modernen Staaten hin. Um die Funktionsweisen und Mechanismen von (Makro-) Gewalt zu verstehen, muss die Gewaltforschung die (institutionalisierte) Gewalt gegen Tiere als wesentlich konstituierendes Element der Gewalt begreifen. Die permanente Gewalt gegen Tiere in den “landwirtschaftlichen” Tierfabriken könnte als eine Art Proto-Gewalt verstanden werden – ganz im tolstoischen Sinne “Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.”

Nach kurzer Kaffeepause gab es drei parallel laufende Schwerpunktthemen/Streams. In den beiden Streams, die ich nicht besucht habe, ging es zum einen um die Soziale Konstruktion von essbaren und nicht-essbaren Tieren, zum anderen um Zivilisation, Empathie und Indifferenz. Ich besuchte den Stream “Fleisch im Kontext medialer Diskurse”.

Fanbienne Erbacher (Lüneburg) untersuchte den Diskurs um die Auseinandersetzung des sich im Bau befindenden und zukünftig größten Geflügelschlachthofes Europas in Wietze. Anhand von 47 Quellen aus allen medialen Bereichen stellte sie fest, dass es bei der Thematisierung des Schlachthofes ausschließlich darum ging, wie die Anwohner_innen und die Umwelt unter den Emissionen des Schlachthofs und der dazugehörenden Logistik leiden werden, während die am schlimmsten Betroffenen, die zur Schlachtung vorgesehenen Tiere selbst, kein einziges mal im Fokus der Betrachtung standen.

Den Vegetarierdiskurs in der Zeitung “Die Zeit” im Zeitraum von 1970 – 2010 stellte Anja Krückemeier (Bielefeld) kritisch vor. Das (ernüchternde) Ergebnis war, dass durchweg eine negatives Bild von Vegetariern geschaffen wurde und Fleischessen als das Normale verteidigt und empfohlen wurde.

Julia Gutjahr (GSA, Hamburg) analysierte unter dem Titel “Keine halben Sachen, sondern ganze Tiere” die Konstruktion von hegemonialer Männlichkeit durch Fleischkonsum in der Zeitschrift “BEEF!”. Sie zeigte auf wie das Magazin mit einem archaischen Habitus durch Sexualisierung und Pornographisierung von Tieren eine Femenisierung von Tieren betrieb und eine “Erotik des Essen” beschwor. Dabei wurde das “männliche Kochen” durch gewaltverherrlichende Aspekte gegenüber dem “weiblichen Kochen” konstruiert. Diese Strategie kann als eine Stabilisierung patriarchaler Gewalt, sowie als Reaktion auf den sich verbreitenden Vegetarismus und Veganismus interpretiert werden.

In der abschließenden gemeinsamen Runde wurde dann der Tag reflektiert und Überlegungen zur weiteren Vernetzung und Forschung angestellt. Insgesamt war die Tagung sehr inspirierend und informativ und ich bin froh ein paar neue Kontakte geknüpft zu haben, sowie die Möglichkeit gehabt zu haben eine meiner Arbeiten in diesem Kontext zu zeigen.

Wen die Vorträge interessieren kann mit den jeweiligen Referent_innen Kontakt aufnehmen. Es soll von der GSA demnächst auch eine Publikation o.ä. zur Tagung erscheinen. Für weitere Infos : https://www.wiso.uni-hamburg.de/projekte/animals-and-society/das-csa/


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Mo – Fr 15 – ca. 22 Uhr; Sa – So 15 – ca. 0 Uhr

[Rahmenprogramm]:

13. Mai*: Vernissage, es spielt die Harfenistin Heide Müller

19. Mai*: Vortrag “Die Mensch-Tier-Beziehung in der Soziologie unter besonderer Berücksichtigung der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule”, Julia Gutjahr, Group for Society and Animals Studies (GSA) an der Universität Hamburg

27. Mai*: Film “Home”

31. Mai*: Buchvorstellung “Das Schlachten beenden!  Zur Kritik der Gewalt an Tieren. Anarchistische, pazifistische, feministische und linkssozialistische Traditionen”, Lou Marin, Mitherausgeber

03. Juni*: Vortrag “Fleisch & Co: ökologische und sozialökonomische Auswirkungen”, Antispe MD

07. Juni*: Vortrag “Zur moralischen Vertretbarkeit von Tierversuchen. Bedingungen und Rechtfertigungen der Grenzen”, Dr. phil. Arnd Pollmann, Universität Magdeburg

10. Juni*: Film “Earthlings”

14. Juni*: Vortrag “Tierversuche – Medizinische Notwendigkeit oder sinnlose Quälerei?”, Dr. Corina Gericke, Ärzte gegen Tierversuche

17. Juni*: Vortrag “Tierethik”, Antispe Halle

Eingeladen wird, den Antispeziesismus mitzudenken, weiterzudenken und als Projekt einer alternativen Gegenbewegung zum Tierethik-Mainstream zu begreifen. In drei kurzen Statements sollen folgende Themen präsentiert und im Anschluss diskutiert werden:

* Tiere als Eigentum – Konsequenzen und Widersprüche

* Zur Sprache des Speziesismus – Wie Tiere sprachlos gemacht werden – zum download: zur sprache des speziesismus_vortrag_fin

* Dekonstruktion des Naturbegriffs – Auch nicht-menschliche Lebewesen haben Kultur

19. Juni: Finissage, ab 11 Uhr, mit Künstlergespräch, um 13:30 Uhr, Hofgalerie

Hartmut Kiewert wird einige Passagen seiner schriftlichen Diplomarbeit “Die Mensch-Tier-Beziehung aus herrschaftskritischer Perspektive” vorstellen, um im Anschluss seine Position mit dem Publikum zu diskutieren.

Außerdem gibt es frischgedruckte bio fair-trade T-Shirts, Aufnäher und Buttons mit Motiven von Hartmut Kiewert!

*Beginn 19 Uhr, Hofgalerie

Zur Ausstellung gibt es einen Katalog (128 Seiten, Farbdruck). Der Katalog enthält alle ausgestellten, sowie weitere Bilder und den schriftlichen Teil meiner Diplomarbeit in überarbeiteter und aktualisierter Form. Bestellungen an hartmutkiewert@gmx.de. Der Katalog kostet 15,- €.


Fleischkonsum und Herrschaftskritik

Der Zusammenhang zwischen der Produktion tierischer Produkte und ökologischen Problemen ist spätestens durch die Auseinandersetzung mit den Ursachen des Klimawandels evident. Sogar das Nachdenken über Fleischkonsum und Massentierhaltung findet immer mehr Verbreitung. Eine Sichtweise, die auch nach den kulturellen Ursachen des gewalttätigen Umgangs mit Tieren und der Natur fragt ist allerdings eher die Ausnahme. Der Künstler Hartmut Kiewert setzt sich mit malerischen und grafischen Mitteln genau mit diesem Thema auseinander. Für ihn ist die Aufhebung der Unterdrückung und Ausbeutung von Tieren ein unumgänglicher Schritt auf dem Weg in eine gewaltfreie und selbstorganisierte Gesellschaft.

Was inspiriert dich zu der Auseinandersetzung mit dem Thema Mensch – Tier?

An der Beziehung des Menschen zum Tier, welches heute hauptsächlich über weiterverarbeitete Konsumgüter, also in abstrahierten, entfremdeten Formen stattfindet, wird der ganze Wahnsinn in dem sich die heutige Gesellschaft befindet permanent sichtbar – zumindest wenn mensch den Blick dafür schärft. Mit der Produktion tierlicher Produkte, welche vornehmlich in der so genannten „ersten Welt“ konsumiert werden, wird in anderen Teilen der Erde Hunger geschaffen, Urwälder abgeholzt, Trinkwasser verseucht und das Klima angeheizt, während sich der Fleischkonsument hierzulande mit Krankheiten herumschlägt, welche wiederum durch Konsum tierlicher Produkte hervorgerufen werden. Menschen lassen völlig gedankenlos Lebewesen unter miserabelsten Bedingungen „produzieren“ und abschlachten, welche genau wie Menschen Gefühle haben und ein Recht auf Selbstbestimmung haben sollten. Erkenntnisse im Bereich der Tierverhaltensforschung entziehen der krassen Trennung zwischen Mensch und Tier, welche wesentliche ideologische Grundlage für die Ausbeutung und Unterdrückung von Tieren ist immer mehr den Boden. Am Verhältnis des Menschen zum Tier tritt die völlig absurde, da nicht notwendige Destruktivität und Widersprüchlichkeit unserer Kultur und Moral zutage. Das Nicht-Akzeptieren-Wollen und Aufzeigen dieser Absurdität ist die wichtigste Motivation für meine Arbeit.

Du verbindest die Kritik am Umgang des Menschen mit Tieren mit einer allgemeinen Kritik an Herrschaftsverhältnissen. Warum denkst du, besteht ein Zusammenhang zwischen der Ausbeutung von Tieren und den Herrschaftsstrukturen innerhalb der menschlichen Gesellschaft?

Die Denkmechanismen, welche die Ausbeutung von Tieren legitimieren überschneiden sich mit denen, welche die Ausbeutung von Menschen legitimieren. Der Mensch konstruiert durch das Abwerten des Tieres bzw. des Fremden seine eigene Höherwertigkeit. Unsere Kultur ist durch eine Hierarchie geprägt, an deren Spitze der weiße, gesunde, männliche Mensch steht und an deren Ende das der Ausbeutung und freien Verfügbarkeit preisgegebene Tier. Dabei wird nicht nur die Natur zum Untertan gemacht, sondern auch die als animalisch geltenden, nicht erwünschten Anteile im Menschen selber werden unterdrückt, bzw. als barbarisch, primitiv oder verweichlicht abgetan. So lassen sich auch interhumane Unterdrückungsverhältnisse legitimieren, indem unterdrückte menschliche Gruppen in den Bereich des Animalischen, des Unvernünftigen projiziert werden. So wurden und werden z. B. Frauen oder Menschen, die einer so genannten anderen „Rasse“ zugeordnet werden, als weniger wertvoll betrachtet. Sie sind also bedenkenloser ausbeutbar. Die durch Eigentums- und Machtverhältnisse festgelegte gesellschaftliche Position wird als quasi „natürliche“ Rolle uminterpretiert. Die tatsächlichen Herrschaftsverhältnisse werden verschleiert.

Du stellst deine Malerei in einen explizit politischen Kontext. Wird dadurch nicht die Wirkung und Lesbarkeit der Kunstwerke verkürzt und abgeschwächt?

Die Symbolik von Fleisch ist die Symbolik der Macht. Dem Sujet der Tierdarstellungen ist also eine politische Dimension immanent. Politik ist eine Frage wie wir unser Zusammen-Leben organisieren wollen, welche Kultur wir schaffen und leben wollen. Da will ich mich als Künstler einmischen und die Dinge die ich falsch finde auch beim Namen nennen. Ich denke, dass die Abspaltung der politischen Sphäre in die Hände von Profi-Politikern und Interessenverbänden, also das vorherrschende repräsentative Politikverständnis eines der wesentlichen Hindernisse auf dem Weg hin zu einer emanzipierten, befreiten Gesellschaft ist. Was meine künstlerische Arbeit konkret angeht, so sind die Bilder schon politisch gemeint, aber ich stelle mit meinen Bildern keine expliziten Forderungen auf. Die Bilder bleiben – und das möchte ich auch – in ihrer Lesbarkeit offen. Durch den Malprozess findet ohnehin eine Sublimierung des Themas statt. Um mit Herbert Marcuse zu sprechen, kann Kunst die härtere Wirklichkeit nicht darstellen, wohl aber zu neuen Sichtweisen auf die Wirklichkeit anregen.

Was für ein Feedback bekommst du von den BesucherInnen deiner Ausstellungen? Sind dein Publikum vor allem schon Überzeugte, oder erreichst du auch Menschen, die sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt haben?

Die meisten Menschen die meine Bilder anschauen und sich mit mir darüber unterhalten fühlen sich durch die Bilder angesprochen und empfinden teilweise ganz ähnlich wie ich. Das Publikum ist sehr gemischt, aber sicher ist der Anteil an Menschen die vegan leben relativ hoch. Ich denke, dass ich durch meine Kunst durchaus Menschen erreiche für die die Themen Tierethik und Herrschaftskritik neu sind.

Welche Wirkung wünschst du dir von deinen Bildern?

Meine Bilder sind ein Versuch die Absperrung des Bewusstseins gegen das Schicksal der Tiere zu unterwandern. Der Abwesenheit und Verdrängung des schlechten Lebens und Sterbens der Tiere versuche ich die Präsenz der Malerei, die Präsenz der Fleischfarben, meine ganz persönlichen Perspektiven entgegenzusetzen. Ich wünsche mir, dass meine Bilder ein Unbehagen gegenüber der verbreiteten Esskultur hervorrufen und die oder den Betrachtenden dazu anregen selbst neue Perspektiven in Bezug auf Tiere und unsere gesellschaftliche Organisierung im Ganzen zu entwickeln.

Was sind deine Ideale, was sollte bzw. muss sich verändern?

Die Situationistische Internationale, welche auch wichtige Impulse für kreative Protestformen wie Straßentheater oder Adbusting gegeben hatte, strebte die Aufhebung der Kunst im alltäglichen Leben an.  Und zwar in dem Sinne, dass die vom Leben separierte, museale, representative Kunst abgeschafft wird, indem das spielerische, utopische Potential das in der Kunst aufgehoben ist im Alltag von allen Menschen verwirklicht wird – dass wünsche ich mir. Der Arbeitsethos der nicht nach der Sinnhaftigkeit des Tuns fragt – und so auch Menschen für die Zerstörung von Umwelt oder die Produktion von Waffen reichlich entlohnt werden – sollte endlich überwunden werden und Platz machen für die freie Entfaltung einer sich hierarchiefrei selbstorganisierenden Gesellschaft freier Individuen in einer nicht mehr an Profit und Eigentumsstreben ausgerichteten Welt.

Welche Projekte planst du zur Zeit?

Im Mai 2011 werde ich im Moritzhof in Magdeburg ausstellen. Hierzu wird es auch wieder ein inhaltliches Begleitprogramm geben. Genauere Infos werden bald auf meiner Homepage www.hartmutkiewert.net zu finden sein. Was direkte politische Aktionen angeht, so werde ich mich weiter an Aktionen gegen Umweltzerstörung, Atomkraft, Gentechnik, Militarismus, Tierausbeutung und für eine gewaltlose und herrschaftsfreie Gesellschaft beteiligen. Gerade haben wir in Witzenhausen eine Rythms of Resistance Samba-Band gegründet. Der Protest wird laut!

[das Interview ist in etwas gekürzter Form im aktuellen Robin Wood Magazin abgedruckt]

 

Das Bild „Hälfte“ zeigt einen in der Hälfte durchgesägten Tierkörper auf dem Menschen sitzen, die sich von dem Fleisch ernähren. Sie tragen Trainingsanzüge, deren Schatten wiederum Tierbilder werfen. Auf der zwei mal drei Meter großen Plane „Fleisch I“ ist ein friedlich ruhender Hund zu sehen, dessen Hinterteil sauber abgesägt wurde. Es ist die Verbildlichung einer Tierschutzgesetzgebung, die in Haus- und Nutztiere buchstäblich chirurgisch trennt und den verantwortungsvollen Umgang mit Tieren ad absurdum führt.

Der Künstler Hartmut Kiewert zeigte vom 14. bis 17. Oktober 2010 in Halle an der Saale Malereien und Grafiken zum Thema Fleisch und Herrschaft. Die Ausstellung erfolgte im „Hühnermanhattan“ und wurde durch ein täglich wechselndes Rahmenprogramm ergänzt.

Die ausgestellten Exponate kritisieren eine Tier-Mensch-Beziehung, die von industrieller Tierausbeutung geprägt ist und eine Verdinglichung von Tieren zu willkürlich formbaren Objekten nach menschlichem Ermessen zulässt. Tiere sind überwiegend als Fleisch zu sehen, ohne Ekel hervorzurufen. Vielmehr üben die Bilder eine Kälte aus, deren Plastizität ästhetisch ansprechend ist. Dies macht den Reiz aus, dass nicht-menschliche Lebewesen gleichsam als Produkte dargestellt werden und sie ihrer Tierhaftigkeit dadurch entledigt werden, aber durch diese angebliche kulturelle Leistung den Menschen zu einem Erschrecken und Wiedererkennen zwingen. Es sind Bilder, die eine Wahrheit über die Grausamkeit im Umgang mit Tieren offenbaren, ohne anzuklagen, ohne aufzufordern.

Das „Hühnermanhattan“ erwies sich trotz seiner abgeschiedenen Lage als wirkungsvoller Ausstellungsort. Die überwiegend großformatigen, mit Öl gemalten Exponate kamen in den ehemaligen Fabrikräumen gut zur Geltung. BesucherInnen fanden hauptsächlich abends den Weg dorthin, um am Rahmenprogramm teilzunehmen. Am Freitag stellte Lou Marin das im Verlag Graswurzelrevolution neu erschienene Buch „Das Schlachten beenden!“ vor. Den Samstag beschloss die antispeciesist action halle mit einer Diskussion zum Thema Tierversuche. Zur Finissage am Sonntag stellte sich der Künstler der Vegetariergruppe Halle und allen anderen Interessierten zu einem vertiefenden Gespräch über seine Arbeiten und persönlichen Hintergründe zur Verfügung. Dabei wurden viele Aspekte von Veganismus, Ökologie und Tierausbeutung einem interessierten Publikum vorgetragen.

Hartmut Kiewert hat Anfang 2010 sein Diplom in Malerei und Grafik an der Burg Giebichenstein mit Auszeichnung abgelegt und bereits mehrere Ausstellungen vorzuweisen.

Im Mai 2011 ist eine weitere Ausstellung in Magdeburg geplant. Auf der Homepage des Künstlers sind fast alle Arbeiten zu sehen. Zudem kann man sich seine lesenswerte Diplomarbeit „Die Mensch-Tier-Beziehung aus herrschaftskritischer Perspektive“ kostenfrei runterladen. Sie gibt einen aktuellen Überblick über Tierrechtstheorie und erklärt sein ästhetisches und emanzipatorisches Konzept aus einer anarchistischen Perspektive.

Tomas Cabi

[der Text ist im Tierrechtsmagazin "Tierbefreiung", Heft 69 abgedruckt]

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Am 14.10.2010, um 20 Uhr: Vernissage mit Livesoundperformance von Deep Sleep

Ort: Hühnermanhattan, Hordorfer Straße 4, 06112 Halle

Ausstellung vom 15. – 17.10.2010, von 14 – 22 Uhr geöffnet.

Im Rahmen der Ausstellung wird am Freitag, den 15.10, um 20 Uhr Lou Marin das Buch “Leo Tolstoi, Clara Wichmann, Elisée Reclus, Magnus Schwantje u.a. Das Schlachten beenden! Zur Kritik der Gewalt an Tieren. Anarchistische, pazifistische, feministische und linkssozialistische Traditionen” vorstellen.

Für Samstag Abend ist ein Themenabend über Tierversuche geplant. Organisiert von der Antispeziesist Action Halle. (ab ca. 20 Uhr)

Zur Finissage am Sonntag, den 17.10. wird es eine Soundperformance von One Man Nation aus Singapore, sowie einen Auftritt der experimental-akustischen-Tango-Noise-Formation DURE-MèRE aus Frankreich geben.

Zuvor wird es, durch Anregung der Vegetariergruppe Halle, ein Gespräch über meine Arbeit und deren Hintergrund geben. (ab ca. 18 Uhr)

oder solange es schlachthäuser gibt, wird es auch schlachtfelder geben

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Einzelausstellung im Celsius 13, Hamburg (www.on-off-artprojects.de)

geöffnet: täglich, außer Mo, 16. bis 29. Juni + 02., 03., 04 Juli, 15 – 20 Uhr und nach Vereinbarung

Am Sonntag, den 04. Juni,  19 Uhr: Finissage

Dies war die letzte Ausstellung in der ehemaligen Wurstfabrik im Celsius 13.

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Hartmut Kiewert

FLEISCH MACHT HERRSCHAFT

Der Moment des totalen Zugriffs auf den Körper durch Gewalt ist der Moment der Ausübung absoluter Macht.

So steht einerseits das Verzehren von Fleisch auch heute noch als Symbol der Herrschaft und als Metapher für diesen totalen Zugriff. Andererseits wird de facto ein Leben ausgelöscht, also Macht in ihrer extremsten Form angewendet wird, um sich Teile des Tierkörpers einzuverleiben.

Die über Jahrhunderte in die menschliche Kultur eingeschriebene radikale Trennung zwischen Mensch und Tier bringt eine Gewaltförmigkeit zu Tage, welche in ihrer Quantität zu keiner Zeit solch astronomische Ausmaße besaß wie heute.

Der Geist-Materie-Dualismus ist tief in unserem Denken verankert. Er trennt in eine geistig-vernünftige und eine körperlich-triebhafte Sphäre und spielt so eine wesentliche Rolle bei der Legitimation des gewaltförmigen Umgangs des Menschen mit nicht-menschlichen Lebewesen.

Lebewesen werden hierarchisch in die Kategorien vernunftbegabt und instinktgesteuert, höherwertig und niederwertig eingestuft. Tiere sind nach diesem Verständnis keine eigenständigen Subjekte, sondern nur Objekte. Daher können sie beliebig im Dienste des Menschen zu unterschiedlichsten Zwecken als Ressourcen ge- und verbraucht werden.

Sie werden zumeist gar nicht als Individuen mit eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Interessen wahrgenommen. Sie werden zu Abermillionen eingesperrt und nach den Interessen der Menschen zu- und hingerichtet.

Die Interessen der Tiere werden unterdrückt. Das Verhältnis vom Menschen zum Tier ist also ein Herrschaftsverhältnis.

Da ich Herrschaft ablehne, weil ich denke, dass jedes Individuum selbst am besten weiß, was gut für es ist und keine Fremdbestimmung braucht, lehne ich also auch die Herrschaft des Menschen über nicht-menschliche Lebewesen ab.

Ich sehe die Beendigung der Ausbeutung von Tieren also nicht separiert für sich allein, sondern im Kontext einer allmählichen Überwindung aller bestehenden Herrschafts­verhältnisse. Gerade weil die binäre Denklogik, welche die Tier- und Naturbeherrschung legitimiert, m. E. dieselbe ist, die auch die Herrschaft des Menschen über den Menschen legitimiert.

Der Mensch konstruiert durch das Abwerten des Tieres bzw. des Fremden seine eigene Höherwertigkeit. Unsere Kultur ist durch eine Hierarchie geprägt, an deren Spitze der weiße, gesunde, männliche Mensch steht und an deren Ende das der Ausbeutung und freien Verfügbarkeit preisgegebene Tier.

Dabei wird nach der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule nicht nur die Natur zum Untertan gemacht. Sondern auch die als animalisch geltenden, nicht erwünschten Anteile im Menschen selber werden unterdrückt, bzw. als barbarisch, primitiv oder verweichlicht und gefühlsduselig abgetan.

So lassen sich auch interhumane Unterdrückungsverhältnisse legitimieren, indem unterdrückte menschliche Gruppen in den Bereich des Animalischen, des Unvernünftigen projiziert werden. So wurden und werden z. B. Frauen oder Menschen, die einer so genannten anderen „Rasse“ zugeordnet werden, als weniger wertvoll betrachtet. Sie sind also bedenkenloser ausbeutbar. Die durch Eigentums- und Machtverhältnisse festgelegte geselschaftliche Position wird als quasi „natürliche“ Rolle uminterpretiert. Die tatsächlichen Herrschaftsverhältnisse werden verschleiert.

Zugleich baut sich an dieser Denkfigur auch ein Freund/Feind- oder Gut/Böse-Schema auf, das die eigene hegemoniale Stellung bestätigen soll. Die eigenen negativen Eigenschaften werden in das Fremde projiziert und können dort als Manifestationen des Bösen bekämpft und ausgelöscht werden.

So lassen sich auch Kriege im Namen Gottes, im Namen der Nation, im Namen der Demokratie oder sonst einer Ideologie gegen Hexen, den Kommunismus, den Terror oder das Böse führen. Dass die eigenen Grenzen, Gefängnisse und Bomben nicht weniger Terror sind, fällt dann nicht mehr weiter auf.

Die antrainierte Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal, das wir den Tieren zufügen, ist so gesehen eine Abhärtung gegen ein „verweichlichtes“ Mitgefühl. Mitgefühl könnte aber die Verlogenheit der eigenen Argumentation in Bezug auf Feindbilder oder Unter­drückungsstrukturen durchbrechen. Auf dem Teller wird in gewisser Weise permanent der Ernstfall in Uniform geübt.

Max Horkheimer schreibt hierzu 1959 in „Das Recht der Tiere“:

Zwischen der Ahnungslosigkeit gegenüber den Schandtaten in totalitären Staaten und der Gleich­gültigkeit gegenüber der am Tier begangenem Gemeinheit, die auch in den freien (Gesellschaften) existiert, besteht ein Zusammenhang. Beide leben vom sturen Mittun der Massen bei dem, was ohnehin geschieht.“

Die Frage nach der Perspektive für ein gutes Leben der Menschen ist m. E. nicht von der spezifischen Sichtweise auf „das Tier“ zu trennen. Gerade auch weil die industrielle Tierpro­duktion äußerst negative ökologische und soziale Auswirkungen hat.

Nach Michel Foucaults Machtanalyse hat der Staat deshalb Bestand, weil es bestimmte Beziehungen zwischen Mann und Frau, zwischen Erwachsenem und Kind und – hinzu­zufügen – zwischen Mensch und Tier gibt. Herrschaft ist demnach nicht eindimensional, sondern vielschichtig und vernetzt. Die Veränderung der bestehenden Verhältnisse kann nur auf der Ebene der alltäglichen Praxis geschehen. Sie muss in den unmittelbaren Beziehungen der Individuen untereinander ansetzen.

In Bezug auf Tiere heißt dies zunächst ganz einfach, auf den Konsum jeglicher Produkte, welche durch die Ausbeutung von Tieren entstanden sind, zu verzichten.

Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben“

Leo Tolstoi